by Anastasia

Die Bundestagswahl 2021 rückt immer näher und immer mehr Menschen nutzen den Wahl-O-Mat. Der Wahl-O-Mat ist eine von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) geschaffene Möglichkeit schnell einen Überblick über die Standpunkte und Thesen der Parteien, die zur Wahl antreten, zu bekommen.

Doch wann ist der Wahl-O-Mat entstanden, wie funktioniert er und wie akkurat ist er ?

Das erste Mal auf der Bundeseben wurde der Wahl-O-Mat 2002 veröffentlicht. 2002 bestand er aus nur 27 Thesen und gab die Nähe der eigenen Position zu den Positionierungen der Parteien wieder. Zu Beginn wurden aber nur die Parteien, die im Bundestag vertreten waren oder in Umfragen mehr als 3% hatten mit einberechnet. Bei der ersten Veröffentlichung 2002 wurde der Wahl-O-Mat bereits 3,6 Mio. mal genutzt. 2003 folgte dann der erste Einsatz auf Landesebene. Seit der Europawahl 2009 können die Positionen von allen Parteien verglichen werden. In diesem Jahr gab es einige Entwicklungen und Verbesserungen des Wahl-O-Mats. Es sind eine Reihe neuer Features dazu gekommen. So kann man nun manche Thesen doppelt gewichten, übersichtlich die Aussagen der verschieden Parteien vergleichen und Begründungen zu den Thesen lesen.
Die Anzahl an Nutzern steigt auch stetig, so haben bei der Bundestagswahl 2017 bereits 15,7 Mio. Bürger*innen die Plattform genutzt.

Doch wie genau funktioniert der Wahl-O-Mat ?

Es gibt 38 Thesen zu allen möglichen politischen Bereichen. Der Nutzer kann auswählen, ob er den verschiedenen Thesen zustimmt, nicht zustimmt, neutral gegenüber. steht oder keine Antwort zu der These geben möchte. Nach Beantwortung der Thesen können die Thesen, die einem besonders wichtig sind, doppelt gewichtet werden. Anschließend kann man aus einer Liste, die alle Parteien, die zur Wahl zugelassen sind, beinhaltet, Parteien auswählen mit denen seine eigenen Positionen verglichen werden sollen. Es gibt auch die Möglichkeit, alle Parteien auszuwählen. Daraus ergibt sich dann ein Ergebnis im Form einer Prozentzahl an Übereinstimmung. Man kann darüberhinaus auch noch die Gewichtungen verändern, um zu sehen, inwiefern sich das auf das Ergebnis auswirkt und kann außerdem auch alle Parteien und die Beantwortung der Thesen durch diese vergleichen.

Spannend ist auch der Prozess, wie die Thesen, die bewertet werden sollen, entstehen.

Hauptsächlich beschäftigt sich ein Team mit der Entwicklung der Thesen in mehreren Workshops. Das Team besteht aus Jung- und Erstwählern (im Alter zwischen 16/18 und 26 Jahren), die sich dafür beworben haben, Politikwissenschaftlern, Statistikern, Pädagogen, Experten aus bestimmten Themengebieten und Verantwortliche des bpb und der Landeszentrale für politsche Bildung.
Bei einem ersten dreitägigen Treffen drei Monate vor der Wahl erarbeiten die Jung- und Erstwähler mit Hilfe der Experten 80 bis 100 Thesen. Zum Zusammenstellen der Thesen teilt sich das Team in verschiedene Arbeitsgruppen. Diese Arbeitsgruppen behandeln dann unterschiedliche Themen. Es gibt fünf Arbeitsgruppen mit folgenden Oberthemen :

  1. Arbeit, Soziales, Integration, Flucht und Asyl
  2. Energie, Umwelt, Infrastruktur, Verkehr, Gesundheit und Verbraucherschutz
  3. Familie, Bildung, Kultur und Religion
  4. Finanzen, Steuern, Währung und Wirtschaft
  5. Inneres, Äußeres, Demokratie, Föderalismus und EU

Nach dem Erstellen der Liste mit den 80-100 Thesen haben die Parteien zwei bis drei Wochen Zeit diese zu beantworten und auch möglicherweise zu begründen. Die Antworten und Begründungen der Parteien werden anschließend auf Plausibilität und Verständlichkeit von den Politikwissenschaftlern kontrolliert. Bei Auffälligkeiten kann die Partei die Antwort oder Begründung noch einmal überarbeiten, jedoch hat die Partei die letzte Entscheidung über ihre Positionierung.

Nach der Beantwortung gibt es dann einen zweiten Workshop, wo dann die 38 Endthesen gewählt werden. Dabei wird auf folgendes geachtet :

  • es werden die wichtigsten Themen der Wahl aufgegriffen
  • es gibt von den Parteien eine kontroverse Beantwortung
  • die Unterscheidbarkeit der einzelnen Parteien ist gewährleistet
  • es werden viele verschiede Themen abgedeckt

Interessant ist auch, wer letztendlich das Angebot nutzt und welchen Effekt das Ergebnis auf die Nutzer hat.

So hat eine Umfrage auf Basis zufällig ausgewählter Nutzern - geführt durch die Universität Düsseldorf - ergeben, dass 1/3 der Nutzer unter 30 sind und 1/4 über 50. Außerdem war auffällig, dass 3/4 der Nutzer einen höheren akademischen Abschluss (Universitäts-/ oder Hochschulabschluss, Abitur oder Fachhochschule) hatten. Des Weiteren gaben über 90% der Nutzer mit einer klaren politischen Positionierung an, dass sie sich bei dem Ergebnis bei ihren präferierten Parteien wiederfänden.

Trotzdem sollte man zum Schluss festhalten, dass der Wahl-O-Mat keine Wahlempfehlung ist sondern eine Übersicht über verschiedene Thesen gibt. Es ist eine Darstellung der ersten Informationen und ein Startpunkt, um sich dann später weiter zu informieren. Dies machen auch 60% der Nutzer bereits schon.