by Marie-Pascale

Während des Lockdowns sitze ich zwischen den Jahren ausnahmsweise zu Hause. Das passt gar nicht zu mir, als Globetrotterin war ich in den letzten Jahren ständig unterwegs, habe alle fünf Kontinente bereist und dabei zahlreiche Menschen verschiedener Kulturen kennengelernt. Aber Corona hat die Notbremse gezogen, die Welt hält inne, die Pandemie

... hat der Globalisierung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir besinnen uns auf das Wesentliche und überdenken unsere Konsumgepflogenheiten.

Als ich im Frühjahr mir ein e-Bike zulegen wollte und erhebliche Lieferzeiten in Kauf nehmen musste, da die wesentlichen Komponenten aus China kamen, habe ich die Nachteile der Globalisierung am eigenen Leib gespürt. Aber ich bestand darauf, mit dem E-Bike zur Arbeit zu fahren, statt mit dem Auto, so umweltbewusst wie ich bin.

Muskelkater statt Verkehrstaus

Wir erleben einen spürbaren Trend in manchen Teilen der Welt – die Besinnung auf die Stärken des Regionalen, der lokalen Identität und des Individuums. Im Unterschied zum Nationalstolz, der eine gefährliche Komponente der Bewertung und Abwertung anderer enthält, kann regionale Diversität einladend sein, umzudenken. Die Freiheit auf dem Land ist für mich und die Familien um mich herum attraktiver als die Enge des urbanen Lebensraumes.

Landidylle statt Stadthektik

Dieser Zeit habe ich die Vorzüge des Lebens auf dem Land zu schätzen gelernt und mich bewusst entschieden, eigene Produkte anzubauen und ausschließlich saisonale Produkte zu verzehren. Wir wissen die lokalen Produkte immer mehr zu schätzen, z. B. frische Möhren oder rote Beete aus dem eigenen Garten, wissen Sie wie sie schmecken? Schluss mit dem Lebensmittel-Tourismus, kein Transport, keine Konservierungsstoffe, keine Plastikverpackung.

Soul Food statt Fast Food

Auf diese Weise habe ich mich entschieden, mein Leben auf dem Land nachhaltig zu gestalten. Die Liebe zur Heimat ist für mich die Grundlage selbstbewussten Wandels. Und Glokalisierung bedeutet nicht, sich abzugrenzen und einzuigeln. Sie bezieht sich auf die ganze Welt, der man etwas Eigenes, Spezifisches hinzufügt und nicht gegenüberstellt.

In Krisen stecken Chancen, wir erleben eine digitale Revolution, wer hätte das vor einem Jahr geahnt? Ich arbeite im Homeoffice, spare viel Zeit und Benzin, die Digitalisierung macht es möglich

Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance

Ich merke, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Urlaub immer verschwommener sind. Denn mein Beruf ist Teil meines Lebens und genau das macht das Leben ja spannend. Hier streng zu unterteilen, scheint mir nicht lebenspraktisch

Die Potentialentfaltung eines einzelnen Menschen steht im Mittelpunkt unserer Gesellschaft, denn Arbeit steht in Dienst des Menschen wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft wird sich die Arbeit eher in Richtung „Arbeits-Lebens-Mix“ entwickeln, und nicht mehr in eine kaum zu realisierende Work-Life-Balance. Es geht es um gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.

In Zeiten von Corona habe ich auf meine geplante Fernreise verzichtet und Urlaub in Bad Meingarten verbracht.

Hinlegen statt Jetlag

Und genau das ist die Quelle meiner täglichen Kreativität, somit kann ich meine Arbeit mit meinen Neigungen verbinden, mich der Malerei oder dem Schreiben widmen. Innovative Ideen sind nicht allein an die Stadt gefesselt.

Durch die langanhaltende Digitalisierung verliert die Diskrepanz zwischen Stadt und Land an Bedeutung, somit kann der Landflucht entgegengewirkt werden und die Menschen können dabei einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt und zum Klimaschutz leisten. Das ist eine grundlegende Antwort auf die Fragilität der globalen Wertschöpfungskette auf den internationalen Märkten.

Glokal statt global

Das Zeitalter der glokalen Kreativökonomie ist angebrochen. Es gilt immer mehr, Abstand zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft, wo viele Menschen auf der Strecke bleiben. Wenn die Arbeit den Menschen nicht mehr benötigt, wofür benötigt der Mensch dann die Arbeit? Wir suchen eine adäquate Antwort auf diese Sinnfrage.

Wir erleben dadurch eine deutliche Trendwendung, ausgehend von internationalen Megaeinheiten zu kleineren überschaubaren Gemeinschaften, die Globalisierung ist in ihrer Gesamtheit gescheitert, weil die Anonymität steigt und das Vertrauen zwischen den Menschen grundsätzlich abhandengekommen ist. Und dieser Umbruch wird uns noch jahrelang beschäftigen, auch nach der Pandemie